Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |

Memorandum zu einem Projekt im Deutschen Werkbund "Kreislaufwirtschaft"

Vorgestellt von Walfried Pohl

Kreislaufwirtschaft’ meint heute im Allgemeinen nur Abfallmanagement. Von einer Wirtschaft ohne Abfälle – das eigentliche Ziel einer Kreislaufwirtschaft – ist man noch weit entfernt, denn dafür müsste bereits bei der Produktion angesetzt werden mit Verfahren, die zyklische Stoffwechselkreisläufe auf Dauer ermöglichen.

Eine Kreislaufwirtschaft, die diesen Namen verdient, würde sich auf folgenden drei Ebenen abspielen:

1. Produkte, die aus organischen Rohstoffen hergestellt werden, pflanzliche und tie-rische Fasern, Häute, Holz, biologisch abbaubare Kunststoffe. Soweit kein Recycling möglich ist, werden sie rückstandslos in natürliche Kreisläufe überführt.

2. Produkte, die aus anorganischen Materialien wie Metalle, keramische Werkstoffe, Glas hergestellt werden und aus biologisch nicht abbaubaren Kunststoffen. Diese Produkte werden in ihre Komponenten zerlegt, die dann zur Herstellung neuer Ge-brauchsgüter dienen.

3. Bauwerke, die vollkommen demontierbar und in ihre Einzelteile zerlegbar sind, so dass kein Bauschutt mehr auf der Deponie landet, sondern alle Baustoffe recycling-fähig sind, vielleicht sogar für Neubauten verwendet werden können.

Für die Entwicklung entsprechender Produkte für Verbrauch und Gebrauch sind die Designer zuständig, für die Planung demontierbarer Gebäude die Architekten. Dazu kommen Spezialaufgaben im Organisationsbereich und politische Aktivitäten zur Festlegung der notwendigen Rahmenbedingungen.

Daraus ergibt sich, die Durchsetzung der Kreislaufwirtschaft mit all ihren Facetten ist eine genau für den Deutschen Werkbund passende Aufgabe. Die Mehrzahl seiner Mitglieder sind Architekten und Designer, für die sich hier ein herausforderndes Ar-beitsfeld eröffnet. Da der Werkbund aber interdisziplinär ist, kann er auch die organisatorischen und politischen Aufgaben bewältigen.

Die Versöhnung von Architektur und Industrie mit der Natur durch zyklisches Bauen und Wirtschaften hängt zu einem guten Teil ab von dem Ideenreichtum der Architekten und Designer. Der Deutsche Werkbund mit seinen Landesbünden könnte damit  wesentlich zum Gelingen dieses Projekts beitragen, könnte helfen, ein Gestaltungskonzept verbindlich zu machen, bei dem das Ende der Nutzung der Anfang für eine neue Nutzung ist. Der Industriekultur wäre die Gefahr genommen, dass sie an die Grenzen ihrer Resourcen stößt, sie ließe sich in die Kreisläufe der Natur einbinden, Architekten wie Designern würden sich neue Perspektiven eröffnen. 

Mit welchen bereits bestehenden Initiativen müsste der Deutsche Werkbund zusammenarbeiten?

Das gleiche Ziel strebt das Cradle to Cradle - Designkonzept an, das Prof. Michael Braungart entwickelt hat. Cradle to Cradle, das bedeutet, von der Wiege bis zur Wiege statt von der Wiege bis zur Bahre, also zyklische statt lineare Entwicklung. Nach seiner Vorstellung liefe bei der Industrieproduktion neben dem Montageband gleich das Demontageband. Um diesen Prozess zu erleichtern, schlägt er vor, dass die technischen Produkte nicht mehr gekauft, sondern geleast werden, so kann der Hersteller sie jederzeit zurücknehmen und durch neue Geräte ersetzen. Informationen bietet das Buch: Michael Braungart, William McDonough: Einfach intelligent produzieren - Cradle to Cradle: Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können, Berlin 2003, 2009. Für sein Projekt tritt ein die EPEA-Akademie in München.

Probleme der Stoffkreisläufe im Haus werden bereits angegangen, so die Emissions-probleme, so die Energieautonomie bis hin zum Plusenergiehaus. Was bisher kaum probiert wurde, ist die Konstruktion von Häusern, die so in ihre Bestandteile zerlegbar sind, dass daraus neue Häuser errichtet werden können.

Dem Deutschen Werkbund Nordrhein-Westfalen freundschaftlich verbunden ist Prof. Karl Ganser, seinerzeit Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung IBA Emscherpark. Er tritt ein für die Anwendung der Kreislaufwirtschaft auf das Bauwesen als ‚Rückbau’ von Architektur. So äußerte er sich: „Der längst fällige Paradigmenwechsel heißt ‚Wandel ohne Wachstum’ und ‚Konstruktionsprinzipien nach den Regeln der Kreislaufwirtschaft’. . . .Dabei wäre es eigentlich nur konsequent, wenn der Entwurf für die Errichtung eines Gebäudes ergänzt wird durch die Planung der Demontage. Im Dialog zwischen Vorbau- und Rückbauentwurf werden mit größter Wahrscheinlichkeit logistisch einfachere Gebäude erbaut in stofflich problemloseren Materialien.“

Wichtig ist auch Prof. Werner Sobek, Nachfolger Frei Ottos am Stuttgarter Institut für leichte Flächentragwerke, jetzt ’Institut für Leichtbau – Entwerfens und Konstruieren’. Er nennt sein Prinzip des Bauens ‚Triple Zero’, dreimal Null:


1. Das Gebäude benötigt keine Energie

2. Das Gebäude produziert keine CO2-Emissionen

3. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft: „Das Gebäude hinterlässt bei Umbau oder Abbau
 keinen Abfall. Alle Bauteile können am Ende des Lebenszyklus vollständig, ohne jedwede zu verbrennende oder zu deponierende Anteile, recycelt werden. Das Grundstück kann ohne Altlasten oder sonstige verbliebene Rückstände renaturiert
 werden.

Sobek gehörte zu den Gründern der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), wo auch eine NGO wie der Deutsche Werkbund Mitglied werden könnte.

Die für die Kreislaufwirtschaft notwendige stärkere Aufgliederung des Produkts in sei-ne Komponenten bietet noch einen weiteren Vorteil: Die Erleichterung der Nutzungsdauerverlängerung mit Hilfe von dezentralen Werkstätten zur Instandsetzung und Umrüstung von Produkten. Einzelne Teilstücke könnten bereits vor Zerlegung des Gesamtprodukts in den Kreislauf des Recycling überführt werden. Dem Thema widmen sich die Institute für Produktdauerforschung in Genf und Hamburg.

Komponenten für ein Projekt ‚Kreislaufwirtschaft’ im Deutschen Werkbund: 

  • Gewinnung der Landesbünde für das Projekt

  • Entwicklung und Erprobung der besonderen Entwurfspraktiken für Einbindung von Produkten in biologische und technische Kreisläufe

  • Einbindung des Rückbaus in die Entwurfsarbeit der Architekten

  • Diskussionsforen zur Kreislaufwirtschaft und zur Produktdauerforschung

  • Durchführung des ‚Leinenprojekts’ als ein Beispiel für Upcycling: Förderung von Leinenkleidung zur Gewinnung von Leinenlumpen zur Herstellung sehr hochwertigen Papiers

  • Einbindung der Akademie des DWB NW in das Projekt, z.B. mit der Frage nach linearer und zyklischer Ästhetik

  • Ansprache der Politik zur Herstellung von Rahmenbedingungen zur Verbindlichkeit der Kreislaufwirtschaft

  • Einbindung von Industrieverbänden und Industrie- und Handelskammern

  • Kontakt zu Organisationen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft, z.B. die EPEA-akademie Cradle zu Cradle in München


Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |