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1839-1932: Dritte Phase der Zwischen-Kriegs-Zeit

Drei Jahre, die immer dunkler werden.

Im Herbst 1929 kommt mit der nächsten Wirtschafts-Krise der dritte Absturz in zehn Jahren. Einiges, was auf der Schiene ist, läuft noch hinkend weiter – aber dann ist in dieser Gesellschaft nahezu nichts mehr möglich.

Der Mechanismus der Wirtschafts-Krise. Am Ende des Oktober 1929, am »Schwarzen Freitag«, bricht die Weltwirtschaft zusammen. Die Wirtschafts-Krise, die die Republik ins Verderben treibt, beginnt. Deutschland ist tief betroffen. Wegen kurzfristiger Kredite war es in den vergangenen vier Jahren Konjunktur völlig abhängig vom amerikanischen Kapital-Markt. Nun benötigt Amerika selbst sein Geld und zieht es aus Deutschland ab.
Der Export bricht zusammen. 1931 schrumpft die Bauwirtschaft um 60 Prozent. Entsprechend steigt die Arbeitslosigkeit. Erneut verarmen die öffentlichen Haushalte. Auch viele Werkbund-Mitglieder verarmen.

Die Weltwirtschafts-Krise. Der Kurs-Sturz an der New Yorker Börse im Oktober/November 1929 löst die bisher latente Weltwirtschafts-Krise offen aus. Dramatisch sinkt von 1929 bis 1932 die deutsche Industrie-Produktion: um 43 Prozent. 1930 stürzt die Koalitions-Regierung Müller: über ihre Spar-Maßnahmen. In diesem Jahr zieht die NSDAP(1) mit 107 Sitzen (18,3 Prozent) in den Reichstag ein – als zweitstärkste Fraktion nach der SPD.
Der christliche Gewerkschafts-Sekretär Heinrich Brüning (Zentrum) regiert in ganz neuer Weise: vom Reichspräsidenten gestützt mit Notverordnungen. SPD und Gewerkschaften tolerieren ihn als »kleineres Übel«. Die gerade erst angelegten sozialstaatlichen Strukturen werden wieder abgebaut.
1929 gibt es im Reich 1,8 Millionen Arbeitslose, 1932 sind es 6,1 Millionen. In Dortmund mit seinen 210.000 Erwerbstätigen steigt die Zahl von 9.125 auf 75.602 – auf 33 Prozent. Die Zechen entlassen von 41.000 Beschäftigten 23.000, also mehr als die Hälfte, die Hütten-Werke entlassen 40 Prozent der Arbeiter.

Die Axt an die Wurzel der Demokratie. 1918 hatte ein Gesellschafts-System weitgehend Schiff-Bruch erlitten, das sich durch den Krieg furchtbar diskreditiert hatte. Das neue Gesellschafts-System, die Demokratie, hatte mächtige alte und ebenso mächtige neue Feinde. Es war wenig beliebt. Die öffentlichen Angelegenheiten standen in den ganzen 1920er Jahren auf unsicheren Füßen.
Nach 1930 geht nun von mehreren Seiten die Axt an die Wurzel. Hitler und die NSDAP haben ein uraltes Strickmuster: Mitwirken, um ein Chaos zu schaffen, und sich dann im Tohuwabohu, als Retter und Erlöser anzubieten.
Es ist ein Irrtum zu meinen, das Volk habe Hitler den Freibrief zum Umgestaltung der Verhältnisse geben. Hitler erfährt zwar wachsende Zustimmung aber keine mehrheitliche. Den Staatsstreich 1933 kann er machen, weil ihn die Großindustrie fördert und weil ihn seine prügelnden SA-Horden und darin die Schutzstaffel SS (1929 gegründet, 1931: 10.000 Mitglieder) vorbereitet hatten. Es war ein gewaltsamer Umsturz – im Grunde, kaum maskiert, ein Putsch. Einerseits ist die Gesellschaft irritiert, aufgeweicht, mutlos, von ihren Führungs-Eliten weitgehend verlassen, andererseits bekommt Hitler den Staatsapparat in die Hand – durch nackte Gewalt bis hin zu vielen Morden.
Die hochfliegende Utopie des Werkbunds, die Ausstellungs-Konzeption »Die neue Zeit«, findet keine Ressourcen mehr – und »eine ganz andere Zeit«.

NSDAP. Die Verelendung begünstigt die NSDAP. 1932 erhält sie in Dortmund, wo sie bislang keinen Stadtverordneten hatte, sprunghaft 17,7 % der Stimmen (im Reich 33 %). Städtische Finanz-Not, Hunger-Demonstrationen, Krawalle. Immer wieder wird die SPD verantwortlich gemacht. Verheerend wirkt sich die Polarisierung zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten aus: im Reich und lokal.
1932 erlebt Dortmund über 2.000 Versammlungen: die SPD veranstaltet 237, die KPD 407, die NSDAP 470. Joseph Göbbels notiert 1932: »Eine Fahrt ins Ruhrgebiet ist mit Lebensgefahr verbunden.«(2)
SPD- und KPD-Führungen verbeißen sich im Haß gegeneinander. Damit ermöglichen sie ihren Gegnern die entscheidende und folgenreiche Koalition. Aufrufe wie im Juni 1932 von Heinrich Mann, Ernst Toller, Arnold Zweig, Käthe Kollwitz und Albert Einstein zur Bildung einer antifaschistischen Einheitsfront bleiben wirkungslos.

Wahn-Vorstellungen. »Nicht nur die demütigende Erfahrung von Elend und Not hinterließ ihre Spuren in den Gemütern, sondern auch die komplette Verwirrung über den Ablauf und das Ausmaß des Währungsverfalls … Hoffnungen auf Wunder und Heilslehren waren ebenso verbreitet wie der zynische Gleichmut, mit schäbigen Tricks und Schiebereien Tag für Tag über die Runden zu kommen … Größenwahn und Gefühle der Minderwertigkeit gediehen zum idealen Nährboden für Chauvinismus und Antisemitismus« (Lionel van der Meulen).

Die Großindustrie verachtet zunächst die Nazis, doch als sie zu einer Macht werden, versucht sie, die NS-Politik gegen Demokratie, Sozialismus und Gewerkschaften als Werkzeug für eigene Interessen zu nutzen. Fritz Thyssen arrangiert die Einladung Adolf Hitlers in den Industrieclub in Düsseldorf. Dort sagt Hitler am 27. Januar 1931: »Wenn ich mit meiner nationalen Partei die Macht habe, wird es in Deutschland für die nächsten zehn Jahre, wenn nicht für die nächsten 100 Jahre keine freien Wahlen und keine Streiks mehr geben.« Einige Industrielle treffen sich einen Tag später mit Hitler, Göring und Röhm.
Im Haus des Kölner Bankiers Curt von Schröder, eines Vertrauten von Albert Vögler (Chef der Vereinigten Stahlwerke), unterhandeln Papen und Hitler mit Vögler, Kirdorf, Thyssen und Flick. In der Folgezeit erhält Hitler von Schwerindustrie-Betrieben umfangreiche Spenden. Der Kreis der Konzernchefs fordert Hindenburg auf, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen.
Alle Probleme münden in einen Staats-Streich für ein ›Tausendjähriges Reich‹. Legal daran ist nur die Mehrheits-Bildung – alles Folgende ist eine zwölfjährige Kette von Verfassungs- und Rechts-Brüchen sowie Verbrechen gegen die Menschen-Rechte.
Friedrich Flick hat 1926 ein Aktienpaket der ›Vereinigten Stahlwerke‹ in den Händen, sechs Jahre später ist er größter Aktionär, auf dem Höhepunkt der Depression verkauft er 1932 an das Reich. Reichs-Kanzler Brüning kauft auf. Skandal. Als die Nazis an die Macht kommen, holt Flick die Aktien leise wieder zurück.

Der Ritt auf der Rasier-Klinge. An den Verhältnissen wird sichtbar: Der Sieges-Zug des ›Neuen Bauens‹ steht auf dünnem Fundament. Er war das ganze Jahrzehnt zuvor ein Ritt auf der Rasier-Klinge. In ganz kurzer Zeit ist er vorbei.
Allerdings breitet sich das ›Neue Bauen‹ in der Hitler-Zeit in einigen Ländern aus, vor allem durch Emigranten, am stärksten in Palästina. In Deutschland erst wieder nach dem Fall des NS-Regimes – nach 1945.

Die Aushöhlung der Demokratie geschieht bereits seit Jahren – schleichend und schließlich drastisch. Schon lange gibt es ein Vorbild: Mussolini kehrt sich 1922 und definitiv 1926 von der Demokratie ab – also schon elf Jahre vor Hitler.
Hitler verspricht den Massen alles: das Blaue vom Himmel. Er bedient sich vieler möglicher Themen, die voller Widersprüche sind: dem einen dies, dem anderen anderes. »Die NS-Bewegung war immer auch eine parasitäre, die alles aufnahm und aufsaugte – bis hin zur Agrarromantik oder den Mythen der deutschen Nationalgeschichte.« (Andreas Wirsching)
Am 14. September 1930 steigert die NSDAP bei der Reichstags-Wahl ihre Stimmen von 2,8 Prozent (1928) auf 18,3 Prozent.

Das Brüning-Regime. 1930 wird der Zentrums-Politiker Heinrich Brüning Reichskanzler: ein perspektivloser Ökonom. Er schaltet schrittweise das Parlament aus und regiert mit Not-Verordnungen. Ihm fällt nichts ein als defensives Operieren – ein total falsches Rezept.
Er fährt eine brachiale Spar-Strategie. Seine Priorität beruht auf einer schlechten Analyse: Abbau der Reparationen (1929 machten sie 17 Prozent der Exportwerte aus). Aber die Reparations-Frage steht nach 1930 nicht mehr im Mittelpunkt, weil sie längst gemildert ist. Brünings Konzept der Deflation verschärft die Krise. Dafür nimmt er die Verelendung in Kauf. Das Volk nennt ihn den »Hungerkanzler«. Die Wirtschaft verliert jeden Schwung. Selbst Reichsbankpräsident Hans Luther ist ein Deflationist. 1932 gibt es 6,1 Millionen Arbeitslose. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt von der kärglichsten Fürsorge.
Das Parlament läßt sich entmachten, es spielt kaum noch eine Rolle. Theodor Heuss: »Im wesentlichen regierte jetzt die zum Teil sehr qualifizierte Ministerialbürokratie mit dem Artikel 48 der Verfassung, an den Brüning den Reichspräsidenten [Hindenburg] gewöhnt hatte – der Reichstag verzichtete auf einen Einspruch, denn man mußte damit rechnen, daß ein Nachfolger Brünings den Aufstieg der Nationalsozialisten und der Kommunisten, bei dem Anwachsen der Arbeitslosigkeit, nicht werde abbremsen können.«(3)
Die Nationalsozialisten haben die Machtlosigkeit des Reichstags durchschaut – daher erscheinen sie 1932 nur noch gelegentlich im Parlament: Sie stören ständig.

Faschisierung. »Das Jahr 1930 brachte auch einen Wandel politischer Art. Das Straßenbild veränderte sich, überall erschienen nun Gruppen von SA-Männern.«(4) Ein solcher Zustand, die Faschisierung des öffentlichen Lebens wird immer mehr von eingeschüchterten Obrigkeiten geduldet – oft sogar mit Sympathie begleitet.
Nach den Freichors durchstreifen Privatarmeen das Land und hebeln das Gewalt-Monopol des Staates aus. Die Republik befindet sich schon lange in einem teils schleichenden teils offenen Bürger-Krieg. Die stärkste dieser Privat-Armeen hat Hitler: mit der SA.
Die Ansichten über Hitler sind vielfältig. Viele rechte Bünde halten ihn für Vergangenheit, in Erinnerung daran, daß er mit seinem Putsch 1923 gescheitert sei. Viele amüsieren sich über die »Hitlerei«. Die einen unterschätzen ihn – die anderen hypnotisiert er.

Antisemitismus. In einem Teil der Bevölkerung ist der Antisemitismus uralt. In Deutschland gibt es eine tragische Dialektik: Gerade weil hier die Juden-Emanzipation am weitestgehenden durchgeführt wurde, radikalisieren sich ihre Gegner, eine Minderheit, am stärksten.
Antisemitismus ist auch unter einem Teil der in viele Orientierungen gespaltenen Juden vorhanden: Westjuden gegen Ostjuden. Orthodoxe gegen Ausgetretene, die sich Nicht-Juden nennen. Jüdische Milieus stehen gegeneinander. Blindheit: Nach 1933 erkennt sogar das Blatt der Zionisten, die »Jüdische Rundschau«, Adolf Hitler an.

Das Durcheinander. In einem Satz: Es geht wild durcheinander. Kein Klischee stimmt. In den Wirren denken viele: So kann es nicht weitergehen – wir brauchen einen Umsturz – egal ob links oder rechts. Andere haben ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Und immer wieder der Schrei: Es kommt einer, der dafür sorgt, daß …
Der Staat kann die Ordnung nicht mehr garantieren. Er verliert sein Gewalt-Monopol. Die nationalsozialistische SA schüchtert mit Schläger-Trupps die Menschen ein. Gegen sie militarisieren sich auch andere Parteien. Mehrere Jahre lang wird ein mehr oder weniger offener Bürger-Krieg geführt. In diesen Prozessen läßt die Funktions-Tüchtigkeit des Staates nach: er ist immer weniger ein gesellschaftliches Regulativ.
Theodor Heuss berichtet: »Die Vortragstätigkeit im Lande offenbarte … den vollkommenen Verfall der politischen Sitten. Man mußte jetzt gewärtig sein, daß auch in Städten, wo man seine traditionelle Zugehörigkeit zu erwarten hatte, SA-Gruppen, verteilt oder geschlossen, den Versuch machten, durch Liedersingen das ganze Unternehmen zu stören – in Wiesbaden etwa kam es so weit, daß Jugendliche Feuerwerkskörper zur Entzündung und zum Krachen brachten, bis die Polizei eingriff und, wie ich mir nachher erzählen ließ, die Burschen in dem Vorraum des stattlichen Saales nach Strich und Faden verprügelte.«(5)
Theodor Heuss in seiner letzten Reichstagsrede 1932: »Die Nationalsozialisten befinden sich in einer geradezu grotesken Lage, daß sie den liberalen Rechtsstaat deklamieren, während sie selber für den totalitären Machtstaat sind.«(6)

NSDAP-Mitglieder. Die NSDAP hat im Jahr 1920 nur 675 Mitglieder. 1925 ist die Zahl erheblich gewachsen: auf 27.000. Bis 1928 steigt sie auf 108.000, 1930 ein weiteres mal auf 129.000. 1933 sind es gewaltige 849.000.
Weil sich Karrieristen aller Art und Wendehälse in die Partei drängen, verfügt Hitler einen Aufnahme-Stopp. Alle Mitglieder sind lückenlos erfaßt. Die Akten dazu hat heute das Bundes-Archiv in Koblenz.

Verfassungsbruch. 1932 wird Reichspräsident Hindenburg wiedergewählt.
Dann geschieht ein horrender Verfassungsbruch: Am 20. Juli 1932 setzt die Reichsregierung des Kanzlers Franz von Papen im Handstreich mit einer Notverordnung die geschäftsführende Regierung Preußens ab. Ein hoher Beamter im preußischen Innenministerium steckt konspirierend mit Hitler dahinter. Ministerpräsident Otto Braun und Innenminister Severing weichen widerstandslos. Niemand wehrt sich. Reichspräsident Hindenburg widerspricht nicht. Der Reichskanzler setzt sich selbst zum Reichskommissar ein. Dann wird stellvertretender Reichskommissar für Preußen der Essener Oberbürgermeister Franz Bracht. Er entläßt viele Beamte aus den Ministerien und Regierungsbezirken – nach Mißbelieben, nicht nach Qualifikation.

Wahl-Ergebnisse. Wenige Tage später, am 31. Juli 1932, wird die NSDAP bei der Reichstagswahl stärkste Partei, hat aber keine Mehrheit. Sie erhält 230 Sitze. Hermann Göring wird Präsident des Reichtags. Die kleineren Mittelparteien verlieren.
Aber bei den Neuwahlen drei Monate später, am 6. November 1932, verliert die NSDAP wieder an Stimmen – sie sinken von 13,7 auf 11,7 Millionen. Sie bleibt aber die stärkste Partei. Daß die Kommunisten an Stimmen zunehmen (100 Sitze im Reichstag), dreht Hitler zu einer Waffe um: Er schürt die Angst vor ihnen.

Bündnis-Versuch. 1932 soll Franz von Papen eine Regierung bilden. Aber das Zentrum und die Sozialdemokraten versagen sich zum Gespräch. Papen tritt nach vier Tagen zurück. Der Reichstag wird aufgelöst. Aufhebung des Verbots der SA und SS. Gegenleistung Hitlers: das Versprechen, eine Regierung zu tolerieren.
Reichskanzler wird General Kurt von Schleicher, nächster Mitarbeiter von General Groe­ner. Er versucht ein breites Bündnis zu schaffen: Militär, Gewerkschaft und Teile der NSDAP. Dafür will er Gregor Strasser (Organisationsleiter der NSDAP), den stärksten Mann neben Hitler, gewinnen. Aber aufgrund von harten Gegensätzen innerhalb der NSDAP, legt Gregor Strasser im Dezember 1932 sein Parteiamt nieder.
Am 4. Januar 1933 arrangiert der Bankier von Schröder in Köln ein Treffen von Papen mit Hitler, um Schleicher zu stürzen. Schleicher hat keinen Erfolg.

Macht-Ergreifung. Am 30. Januar 1933 ernennt der Reichspräsident Generalfeldmarschall Hindenburg Adolf Hitler, der schon lange mit SA und SS einen schleichenden Bürger-Krieg führt, zum Reichskanzler – obwohl dieser keine Mehrheit im Parlament hat. Hitler verspricht alles, um an die Macht zu kommen: Das Recht zu achten – und Kanzler für das ganze Volk zu sein.
Vizekanzler wird Franz von Papen, Ex-Kavallerieoffizier, Besitzer des Zentrumsblattes ›Germania‹, ein Monarchist. In seiner Reichstags-Fraktion ist er gegen die Koalition des Zentrums mit den Sozialdemokraten. Er will eine Koalition mit der NSDAP eingehen, dafür hat er die Illusion, Hitler im Amt und in der Verantwortung zähmen zu können – ein folgenreicher Fehlschluß. Es kommt zu einem Kabinett, dessen Mehrheit aus Nicht-Nationalsozialisten besteht.
Das Ermächtigungs-Gesetz am 24. März verändert die Verfassung: Es entmachtet das Parlament – nun macht Hitler die Gesetze – auch gegen die Verfassung.
Eineinhalb Jahre später läßt Hitler die SA-Führung, Gregor Strasser und General Schleicher umbringen. Dann stellt diese Reichsregierung durch Reichsgesetz fest und der deutschnationale Reichsjustizminister Gürtner gewährt die Gegenzeichnung: Die Untaten im Juni 1934 ziehen kein Justiz-Verfahren nach sich, sondern erfolgten durch den Willen des Führers zu Recht. Mit den Umgebrachten wird auch der Rechts-Staat begraben – an seine Stelle tritt die Willkür eines archaischen Stammes-Führers.
1939, nur sechs Jahre nach dem Januar 1933, beginnt Hitler den Zweiten Weltkrieg. Er kostet 60 Millionen Menschen das Leben. Der Holocaust ermordet sechs Millionen.


Anmerkungen: 

1    1920 gegründet. 1928 nur einige zehntausend Mitglieder und 2,6 Prozent Stimmen zur Reichstagswahl. Im Juli 1932 erhält die NSDAP 37,4 Prozent der Stimmen.

2    Zitiert von Thomas Schilp, Zeit-Räume. Aus der Geschichte einer Stadt. Ausstellung und Dokumentation zur Geschichte der Stadt Dortmund im neuen Rathaus. Dortmund 1989, 143.

3    Theodor Heuss, Erinnerungen 1905–1933. Tübingen 1963, 269.

4    Julius Posener, Fast so alt wie das Jahrhundert. Eine Autobiographie als Epochengemälde. Berlin 1990, 207/208.

5    Theodor Heuss, Erinnerungen 1905–1933. Tübingen 1963, 369/370.

6    Ebd., 395.


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