
as Ausmaß der Illegalität. Es ist eine Fabel, Hitler sei legal an die Macht gekommen. Er greift sie sich – mit einer Sturm-Flut an Gewalt, die durch und durch illegal ist und die er archaisch handhabt. Die Nazis schüchtern mit allgegenwärtiger unmittelbarer körperlicher Gewalt die Bevölkerung ein. Systematisch stürmt die SA Versammlungen: Sie schlägt die Leute rücksichtslos zusammen. Dies gehört zu ihrer Strategie, sich des öffentlichen Lebens zu bemächtigen. Kaum jemand macht sich im Nachhinein deutlich, in welchem Ausmaß Hitler Gewalt anwendete. Am deutlichsten wird es, wenn man sich die Anzahl der Umgebrachten vor Augen hält: Am Anfang läßt Hitler rund 30.000 Menschen ermorden – ohne Gerichts-Verfahren, also vollständig illegal, aber das interessierte ihn nicht im Geringsten. Eine unfaßbare Ziffer in einem eigentlich ziemlich zivilisierten Land. Nie zuvor in der deutschen Geschichte hat es im Inneren auch nur eine annähernd so große Zahl von Morden auf dem Weg zur Macht und an der Macht gegeben. Die Nazis entfesseln eine Bürgerkriegs-Mentalität. Sie beschwören im Grunde ein Weiterlaufen des Weltkrieges. Martialisch ist auch ihre Sprache: hämmernd, durchdringend, ohne einen Anflug an Argument, pure Emotion und schneidender Wille.
Macht-Ergreifung. Der 30. Januar 1933 ist ein Tag mit Frost, mit minus 3,4 Grad. An diesem Tag ernennt der Reichspräsident Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.
Großindustrie. Ohne die Großindustrie an Rhein und Ruhr wäre die NSDAP als Partei bankrott gewesen und zumindest zu dieser Zeit nicht an die Macht gekommen. Sie hatte der NSDAP wieder auf die Beine geholfen – mit viel Geld gegen umfangreiche NS-Versprechen, u. a. Abschaffung der Gewerkschaften. Denn die NSDAP hat keine Mehrheit im Parlament. Doch deutschnationale Unternehmens-Chefs der Großindustrie überreden den zunächst unwilligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen.
Der letzte Schritt zur Macht. Adolf Hitler heuchelt: er verspricht Achtung der Rechte – und Kanzler für das ganze Volk zu sein. Dann richtet sich der Reichskanzler Hitler das Staats-System so ein, daß er die unumschränkte Macht erhält.
Zwei Tage vor der Abstimmung über das Ermächtigungs-Gesetz Hitlers, listet am 21. März 1933 die ›Vossische Zeitung‹ alle Prinzipien der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung auf, um zu zeigen, daß das Ermächtigungsgesetz alle historisch erkämpften Rechte und Freiheiten aufheben würde.
Am 24. März 1933 hebelt Hitler mit dem Ermächtigungs-Gesetz im Kern die Verfassung aus, indem er das Parlament, den Reichstag, entmachtet – nun macht seine Regierung die Gesetze.
Die Mehrheit erhält Hitler erst dadurch, daß er die Kommunistische Partei verbietet. Nur die SPD stimmt gegen das Ermächtigungs-Gesetz. Dann macht die NS-Führung ein Gesetz, das einzig die NSDAP erlaubt und jedes Wirken für und in anderen Parteien unter Strafe stellt.
Die Ausschaltung der Opposition. Um sich unangefochten zu machen, schaltet Hitler jegliche Art von Opposition aus, auch die parteiinterne der SA, deren Führung (Röhm u. a.) er in einem nächtlichen Massaker umbringen läßt. In Fülle verschwinden Menschen in rasch eingerichtete »Lager«. Alle, die zu sprechen beginnen, werden zum Schweigen gebracht.
Umsturz der Institutionen. In wenigen Wochen krempeln Hitlers Leute Verwaltungen und Polizei um. Sie setzen ihre Leute ein und verpflichten auf ihre Methoden.
Das Ende der Gewerkschaften. Die Gewerkschaften hoffen auf Überleben. Am 1. Mai marschieren sie mit. Aber schon lange ist, auf Drängen der Großindustrie, ihre Zerschlagung geplant. Am 2. Mai 1933 stürmen SA-Leute die Gewerkschafts-Häuser, verwüsten, plündern, beschlagnahmen Kassen, mißhandeln und verhaften Gewerkschaftler, ermorden viele in Konzentrations-Lagern.
Ungedeckte Währung. Hitler zieht, beraten von Hjalmar Schacht, ein Währungs-System auf, das in der Luft hängt: die ungedeckte Renten-Mark – im Vorgriff auf geplante Kriegs-Gewinne im Osten, vor allem auf die Vereinnahmung der Ressourcen der Ukraine. Dies heißt: Hitler betreibt von Anfang an Kriegs-Wirtschaft – und schafft dadurch Beschäftigung. Schlagartig entsteht eine scheinhafte Beruhigung. Nur die Intelligenten durchschauen: Hitler bedeutet Krieg.
Die Alliierten? Die Alliierten stehen stumm und greifen nicht ein. Wofür hatten sie Deutschland in die Knie gezwungen? Sie sind blind für die Gefahr, die mit Hitler aufzieht. Adolf Hitler selbst fürchtet ihre Intervention. Er weiß, daß er ihr nichts entgegensetzen kann – noch einige Jahre lang nicht. Aber die Intervention kommt nicht.
Frankreich zieht später eine Lehre aus dem deutschen Verhängnis: 1935/36 entsteht die Volksfront mit regierenden Sozialisten, toleriert von Kommunisten.