Oft sogar zum Nutzen von denen, die sie auf die Schiene setzten. Am Niederrhein war es das Plutoniumwerk in Kalkar, das dann nie ans Netz ging – und heute ein Vergnügungs-Park ist. Im Rheinbogen bei Orsoy verhinderte der Widerstand den Bau einer Raffinerie der VEBA (heute EON), die ihr bei damals absinkender Konjunktur einen gigantischen Verlust eingetragen hätte.
Thyssen war schon einmal ein spektakulärer Verlierer: als es die älteste Siedlung im Ruhrgebiet, Eisenheim in Oberhausen, abreißen wollte und gegen die scheinbar ohnmächtige Bürgerinitiative der Bewohner ein fünfjähriges Ringen verlor. Dies ruinierte das Image erheblich.
Ebenso bringt das Projekt Duisburg einen erheblichen Image-Schaden. Es ist ohnehin stark belastet. Nicht nur aufgrund der Katastrophe der Love Parade und ihrer desaströs peinlichen Aufarbeitung. Der Fall Bruckhausen zeigt auch, dass der historische Industrie-Feudalismus von weit über hundert Jahren, den man überwunden glaubte, noch immer wirksam ist: Politik und Verwaltungen liegen dem Mächtigen zu Füßen.
Thyssen selbst, dessen Werk in Duisburg boomt, hat sich durch katastrophale Management-Fehler in seiner Lateinamerika-Expansion über sechs Milliarden Schulden zugezogen und muß nun etliches vom Konzern verkaufen. Es ist unbegreiflich, wie es angesichts dieses Desasters Millionen für Nichts verschleudert – und bislang kein Aufsichtsrat etwas sagte.
Eine solche Flächenzerstörung als Stadtplanung auszugeben, verbietet sich seit nun über 30 Jahren. Nirgendwo gibt es so etwas. Sie wird betrieben entgegen allen Regeln des Faches. Die Beteiligten haben die städtebaulichen Einsichten der letzten drei Jahrzehnte schlicht verschlafen.
Wie es dabei zugeht, zeigt folgender Fall. Baudezernent Dressler verkündete wenige Tage vor seiner Pensionierung, wegen sinkender Einwohner-Zahlen müssten nun drei Stadtviertel abgerissen werden. Als ob man Stadtviertel so einfach platt machen könnte. Und was dann ? In diesen Stadtvierteln müsste Haus für Haus entschädigt werden. Wir haben dies mal gerechnet: Jedes Stadtviertel würde allein an Entschädigungen eine volle Milliarde Euro kosten – insgesamt drei Milliarden.