Später wurden viele Brücken mit einem intensivierten Blick als Baudenkmäler angesehen und durch Denkmalschutz bewahrt. Wissenschaftler (Erich Maschke, Martin Warnke) schrieben zur Soziologie von Brücken: Als öffentliche Infrastruktur gab es dafür Verantwortlichkeiten, Diskussionen, Fragen der Finanz-Beteiligung, der Macht. Herrscher und Gemeinwesen repräsentierten mit Brücken. Funktional zogen Brücken Transport-Wege und Handel an. Sie verbesserten Absatz-Chancen. Damit standen sie für Einkommen und Wohlfahrt. Die Technik des Brückenbaues bestand im Wesen darin, dass sie - im antiken Sinn des Wortes – die Natur durch Kunstfertigkeit überlistete. Für das Privileg, eine schwierige Situation bequem überwinden zu können Reisende und Transporteure bezahlen: Brücken-Geld oder Brücken-Zoll – zur Finanzierung und als Gewinn. Die Gewalt des unberechenbaren Wassers gefährdete die Brücken. Sie nagte an den Pfeilern - bei langem Regen, Schneeschmelze oder plötzlichem Gewitter. Die Macht der Natur brachte manche Brücke zum Einstürzen: eine Katastrophe. Daher wird die Statik im Brückenbau bis heute als etwas Unheimliches emfunden – mit einer Mischung von Angst und Bewunderung. Immer schon wurden Brücken als Wunderwerke der Technik angesehen: bisweilen gefürchtet, bisweilen gefeiert. Vielen wurde die dämonische Fähigkeit des Teufels zugeschrieben – und so gibt es in Europa unzählige „Teufelsbrücken“, mit aufregenden Geschichten. Zu den Wunderwerken des Hochmutes gegenüber der gewaltigen Natur wurden schon antik-römische Brücken gezählt, wie sie zum Beispiel das Militär in Köln über den Strom gebaut hatte. Brücken bemächtigen sich des scheinbar unbetretbraren Raumes – und machen darüber hinaus weiteren Raum erschließbar. Sie bedeuten Herrschaft über Räume, indem sie Distanzen unterschiedlicher Art zugänglich und damit beherrschbar machen. Die Industrie-Epoche vermehrte die Reichweiten des Überspannens von Räumen – nicht nur von Gebäuden, sondern auch von Brücken: mit den neuen Materialien des Gusseisens und des Stahls.