Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |

2000-2007: Kein neues Zeitalter - dieselben Fragen - Probleme und Arbeiten

Die Jahrtausendwende ist eine magische Zahl. Aber es gibt wenig Gefühl dafür. Und kaum Versuche, dazu Philosophien zu entwickeln.
Wir befinden uns seit 15 Jahren in der Ära des Neoliberalismus. Dazu zitieren wir einen Mann aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, der die Pathologie beschrieb, die im Bodensatz den Neoliberalismus antreibt. Der griechische Geschichtsschreiber Thukydides analysiert: »Sie änderten die gewohnte Bezeichnung für die Dinge nach ihrem Belieben [Verzicht auf Semantik]. Unreflektierte Risikobereitschaft galt als Mut und als Loyalität den eigenen Leuten gegenüber [Arbeitsplatz-Argument camoufliert die Gewinn-Marge], Zögern mit Blick auf die Folgen des eigenen Handelns als aufgeputzte Feigheit, Besonnenheit als Deckmantel der Ängstlichkeit, alles bedenkende Klugheit als alles lähmende Schlaffheit [Es muß ein Ruck durch das Land gehen!], und wildes Draufgängertum hielt man für die Art ganzer Kerle [Schrempp, Zumwinkel]. Wer immer schimpfte und mit nichts zufrieden war, galt für glaubwürdig [Arbeitgeber-Vertreter], wer aber widersprach, für verdächtig. Wenn einer mit einem hinterhältigen Schachzug Erfolg hatte, wurde er als klug angesehen, … Wer sich aber selbst vorsah, um nichts mit diesen Dingen zu tun zu haben, von dem hieß es, er fürchte sich vor den Gegnern. Denn lieber lassen sich die meisten Menschen einen gewitzten Halunken nennen als einen anständigen Dummkopf. Des einen schämen sie sich, aber mit dem anderen geben sie an.«(1)
Solche Verhältnisse waren den unseren ähnlich. Der Werkbund schwimmt mit der Werkbund-Idee gegen den Strom.
Man braucht nach wie vor Grundlegendes über Menschen. Wolfgang Meisenheimer formuliert und faßt aus langer Erfahrung in einem roten Buch zusammen: Das Denken des Leibes und der architektonische Raum.(2) Es ist eine elementare Phänomenologie – einleuchtend in vielen Sachverhalten des Lebens. Man braucht solche Figuren wie Wolfgang Meisenheimer. Im Werkbund NW wollen die jungen Leute diesen wissenden Alten. Er steht für viele weitere seiner Generation: Es ist erstaunlich, welche Renaissance die in den 1970er Jahre Jungen in diesem Jahrzehnt als Alte haben. Dazu schreiben, auf Anregung von Hans Rudolf Güdemann, die Autoren Stephan Alexander Vogelskamp und Roland Günter ein engagiert argumentierendes Buch, teils polemisch und teils euphorisch. Es ist der Star der Werkbund-Buchreihe, die der Werkbund NW startet und die Frank Münschke zunächst im Klartext Verlag, Essen, und heute in seiner Klartext Medienwerkstatt als Buchmacher produziert.
Zum Jubiläum 2007 stellt sich der Werkbund unterschiedlich dar. Wolfgang Meisenheimer kuratiert die große Ausstellung des Deutschen Werkbund NW mit dem Stichwort: »Der Kosmos der Mitglieder«. Der »Meister des Eisens« Horst Wolfframm hat die technische Leitung. Die Ausstellung und der Katalog zeigen, was Werkbund-Mitglieder in ihrer Arbeit leisten. Ausstellung und Buch werden mit einer geringfügigen Ausnahme total von den Mitgliedern getragen.


Anmerkungen:

1    Stefan Rebenich, Lieber gewitzt als anständig sein. Schlag nach bei Thukydides: Was der griechische Historiker zur Natur des Menschen und damit zur Finanzkrise zu sagen hat. In: Süddeutsche Zeitung 15. 11. 2008.

2    Wolfgang Meisenheimer, Das Denken des Leibes und der architektonische Raum. Köln 2004, 2. Auflage 2006.


Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |